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PDE-5-Hemmer


Heiß umkämpfter Markt.

Nach stetigen Verlusten pendelt sich Viagra® aktuell bei einem Marktanteil von rund 58 Prozent ein. Über ein Viertel der in Österreich verkauften PDE-5-Hemmer geht mittlerweile auf das Konto von Cialis®, das mit einer Wirkungsdauer von bis zu 36 Stunden vor allem von jüngeren Männern bevorzugt wird. Von Silvia Hecher


Knapp zwei Jahre ist es her, seit Viagra® (Wirkstoff Sildenafil) seine alleinige Marktherrschaft verloren hat. Im Jänner 2003 wurde die Palette der in Österreich erhältlichen Phosphordiesterase(PDE)-5-Hemmer um Cialis® (Wirkstoff Tadalafil) erweitert, im März 2003 folgte Levitra® (Wirkstoff Vardenafil). Im Kampf um die Marktanteile werden seither statistisch signifikante Ergebnisse an die Front geschickt. Sie sollen die Vorlieben der Patienten für das eine oder andere Produkt sowie längere, schnellere und bessere Wirkung beweisen. „Viele dieser signifikanten Unterschiede sind auf verschiedene Patientenprofile in den einzelnen Studien zurückzuführen“, lautet die Erklärung von Univ. Prof. Walter Stackl von der Urologischen Abteilung der Krankenanstalt Rudolfstiftung in Wien. Besonders bei den kurzfristig wirksamen Substanzen Vardenafil und Sildenafil sei es schwierig, einen Unterschied festzumachen. „Zu Viagra® existieren aber die meisten Studien, die Nebenwirkungen sind bei keinem der beiden anderen Präparate so gut dokumentiert“, betont Stackl. 


Neben verschiedenen Patientenprofilen können auch unterschiedliche Dosierungen zu Studienergebnissen führen, die eigentlich nicht miteinander verglichen werden dürften. Während Vardenafil in den Wirkstärken 5, 10 und 20mg erhältlich ist, kann Sildenafil in den Größen von 25, 50 und 100mg verschrieben werden. Stackl: „Aus meiner klinischen Praxis kann ich sagen, dass 100mg Sildenafil besser wirken als 20mg Vardenafil. Ich schätze, dass etwa 70mg Sildenafil der Höchstdosis von 20mg Vardenafil entsprechen.“ Dies sei auch der Grund dafür, dass viele Patienten, die nach Viagra® das neue Levitra® ausprobieren, wieder auf Viagra® zurückgreifen. „Der Unterschied zwischen Sildenafil und Vardenafil liegt also nicht in der Stärke der Wirkung, sondern in der Dosierung“, meint Stackl.


Die beiden Substanzen in Studien zu vergleichen, fällt auch deshalb schwer, weil man auf die subjektiven Empfindungen der Patienten angewiesen ist. Zwar werden Grad und Dauer der Erektion, mögliche Penetration und Orgasmusfähigkeit mittels standardisierter Fragebögen erhoben; auf subjektiv erlebte Erfolgsmomente und das Erinnerungsvermögen der Studienteilnehmer hat man jedoch keinen Einfluss.


Wirkungszeitraum


Die drei PDE-5-Hemmer unterscheiden sich in erster Linie durch ihre Halbwertszeit. Diese beträgt bei Cialis® 17,5 Stunden, bei Levitra® vier bis fünf und bei Viagra® drei bis fünf Stunden. „In der Praxis ist der Unterschied zwischen den beiden kurzfristig wirksamen Substanzen Sildenafil und Vardenafil aber minimal“, so Stackl. Die Wirkung tritt bei beiden nach spätestens 25 Minuten ein und dauert bei Sildenafil mindestens vier, bei Vardenafil mindestens fünf Stunden.


In der Praxis wie auch in klinischen Studien wird auch von längeren Wirkungsfenstern berichtet, die bereits 15 Minuten nach der Einnahme beginnen und bis zu acht Stunden anhalten. Grundsätzlich wird bei den kurzfristig wirksamen PDE-5-Hemmern empfohlen, 25 bis 60 Minuten vor dem geplanten Geschlechtsverkehr eine Tablette mit der Nahrung zu sich zu nehmen.


Das Zeitfenster für Tadalafil wird mit 30 Minuten bis zwölf Stunden angegeben, weshalb das Präparat besonders für solche Patienten geeignet ist, die in ihrem Sexualleben großen Wert auf Spontaneität legen. Um Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Flush und Dyspepsie besser handhaben zu können, wird zu Therapiebeginn oft eine niedrige Dosierung gewählt. Wirkt diese nicht, darf man nicht gleich die Hoffnung aufgeben. „Eine Dosiserhöhung oder ein Testosteronpräparat bei relativem Testosteronmangel können manche Non-Responder zu Respondern machen“, so Stackl. Oft sind es aber auch Umweltfaktoren wie Stress, die das gewünschte Resultat vereiteln.


„Natürlich kommt es vor, dass ein Patient nur auf eine bestimmte Substanz anspricht“, weiß Stackl. „Das hängt aber sehr von der Patientenselektion ab. Bei Patienten ohne Vorauswahl sprechen schätzungsweise drei Viertel auf einen der drei PDE-5-Hemmer an, bei Patienten mit radikaler Prostatektomie ist dieser Anteil wesentlich niedriger. Durchschnittlich hat man aber nach zwei bis drei Versuchen ein Präparat und eine Dosis gefunden, mit dem die Patienten zufrieden sind.“ Mögen manche Studien auch verwirrend sein, an den Verkaufszahlen lässt sich nicht rütteln. Das Institut für Medizinische Statistik bescheinigt dem Marktführer Viagra® in Österreich derzeit einen Marktanteil von 58,4 Prozent, gefolgt von Cialis® mit 26,9 und Levitra® mit 14,7 Prozent (siehe Grafik). Vor allem jüngere Männer fühlen sich durch den längeren Wirkungszeitraum von Cialis® angesprochen und halten dem Produkt die Treue.


In den USA hält Viagra® noch hartnäckiger die Stellung: Der jüngst erhobene Marktanteil betrug 74 Prozent. Dass aber nur 60 Prozent der Neuverschreibungen auf das Konto der Firma Pfizer gehen, lässt die Konkurrenz auf einen Marktumschwung hoffen. Die US-Marktanteile von Cialis® und dem von Bayer vertriebenen Levitra® betrugen im Juni 14,1 beziehungsweise 12 Prozent. Gehörig Kontra geben ICOS und Eliy Lilly, die Vertreiber von Cialis®. Seit Juli dürfen Männer in den USA das Produkt gratis ausprobieren; sind sie nicht zufrieden, werden die Pillen kostenfrei gegen Viagra® oder Levitra® ausgetauscht. Eine Aktion, die sich bei einem weltweiten Jahresumsatz an PDE-5-Hemmern von etwa 2,5 Milliarden Euro – Tendenz steigend – durchaus rentieren könnte. 


© Österreichische Ärztezeitung Nr. 21 / 10.11.2004